Informationsmedizin auf dem Prüfstand

Ein Kristall, der Energie schenkt. Ein Diode, die gesund macht. Ein Chip, der Schmerzen reduziert. Im Bereich der Alternativ­ medizin scheint nichts unmöglich, wenn es darum geht, schul­medizinische Pfade zu verlassen und unsere Vorstellung von Gesund­ heit und Gesundungspro­zessen neu zu definieren. Doch was ist dran an informationsmedizinischen Technologien? Halten sie einer wissenschaftli­chen Prüfung stand oder sind sie nicht doch bloß das, was allopathische Vertreter schon lange behaupten: Humbug oder Placeboeffekt. Dr. phil. Dipl. Psych. Rainer Schneider geht dieser Frage auf den Grund.

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Halten informationstechnologische Technologien einer wissenschaftlichen Prüfung stand?

 

Innerhalb der Komplemen­tärmedizin erfreuen sich sogenannte Biofeld­, Ener­gie­ oder Informationstherapien wachsender Beliebtheit. Es ist nicht ganz einfach, diese Thera­ pieformen einheitlich zu klassifi­zieren. Der gemeinsame Nenner ist die Annahme von in Wech­ selwirkung stehenden (elektro­ magnetischen) Feldern, von denen angenommen wird, sie bestimmten alles biologische Leben. Informationstherapien postulieren nun, dass biologi­ sche Felder von außen verän­ dert, wiederhergestellt oder vitalisiert werden können, wenn sie gestört sind.

In Resonanz mit dem Gewebe
Die Idee ist eigentlich schon sehr alt. Dennoch beginnt die wissenschaftliche Erforschung der Informationsmedizin erst Anfang des vergangenen Jahr­ hunderts. In der Literatur wird sie bevorzugt mit der Pionierar­ beit des amerikanischen Arztes Albert Abrams in Verbindung gebracht. Abrams machte u.a. die Beobachtung, dass seine Patienten mit entnommenem Krebsgewebe „in Resonanz gin­ gen“. Das äußerte sich dadurch, dass vibrierende Krebsgewebe­ moleküle mit Muskelkontraktio­ nen einher gingen. Abrams baute auf Grundlage seiner Be­ obachtungen diagnostisch­the­ rapeutische Apparaturen, die ihm – trotz entsprechender Hei­ lerfolge – wenig Anerkennung seiner Kollegen bescherten. In Kritikerkreisen ging er als „De­ kan der Quacksalber des 20. Jahrhunderts“ in die Geschichte ein. Interessanterweise gibt es ei­ne Reihe von Wissenschaftlern, die just zu dieser Zeit ähnlich Phänomene untersuchten. Einer davon war der russische Biologe Alexander G. Gurwitsch. Er beobachtete, dass lebende Syste­ me ultraschwache Photonen emittieren; ein Phänomen, das er „mitogenetische Strahlung“ nannte. Erst viele Jahre später griff der deutsche Biophysiker Fritz Albert Popp dieses Phäno­ men wieder auf und belegte es mit dem Begriff Biophotonik. Popps Postulat, dass ein „zellu­läres Licht“ Kommunikation und Regulierung in und zwischen den Zellformationen regle, löste zunächst wiederum Spott der etablierten Wissenschaft aus. Heute wissen wir, dass viele, wenn auch nicht alle, der Be­hauptungen Popps wissen­ schaftlich bestätigt sind. Nicht nur das: Erst durch Popps Er­weiterung der Biologie durch Biophotonik auf Grundlage der Quantenphysik ist unser Ver­ständnis der Zellkommunikation ein wesentlich umfassenderes.
Ein weiterer, posthum pro­minent gewordener Kollege Ab­rams, ist der kroatische Ingenieur und Physiker Nikola Tesla, der im Jahre 1900 ein Patent auf Grundlage der „Transmission elektrischer Ener­gie über natürliche Medien“ er­hielt. Tesla gelang es zu Lebzei­ten nicht, eine schlüssige Theorie als Erklärung seiner Be­obachtungen zu finden. Trotz­ dem war er überzeugt, dass hochfrequente elektrische Strö­me eine nicht unwesentliche medizinische Bedeutung haben. Erst etwa einhundert Jahre spä­ter wurden „Tesla­Wellen“ durch die erweiterte Maxwell’sche Feldtheorie in eine stimmige physikalische Theorie eingebet­tet. Inzwischen ist man experi­mentell in der Lage, sogenannte Skalarwellen, eine spezifische Klasse von Longitudinalwellen, als Signalträger zwischen Zellen und Geweben zu nutzen: Ska­larwellen, die man z.B. mit der biologischen Information eines Fungizids (Clotrimazol) infor­miert, hemmen das Wachstum einer Hefekultur.

Resistentes Grundsatzproblem
Trotz solcher Befunde ist sowohl die Anwendung, als auch der Nutzen informationsmedizini­scher Technologien innerhalb der Schulmedizin im Allgemei­nen kontrovers. Die Gegner ak­zeptieren weder die behauptete Wirkungsweise (d.h. Übertra­ gung durch Informationssigna­le), noch die Wirkung selbst. Das gängige Argument ist der Mangel an schlüssigen Beweisen (z.B. durch Metaanalysen oder wissenschaftlich saubere Wirksamkeitsstudien). Diese Kritik ist nicht unberechtigt, denn vie­le der auf dem Markt (ehemals) erhältlichen Geräte und Appara­turen grenzen eher an Wunsch­ denken, manche sogar an Betrug. Es gibt durchaus positi­ve Erfahrungsberichte hinsicht­ lich der Wirkung und Wirksamkeit; sie sind jedoch meist anekdotisch und/oder entstammen informellen oder persönlichen Testaten. Gerade die Kritik, dass der empirische Nachweis der Wirkung von in­ formationsmedizinischen Inter­ ventionen in nicht­isolierten Zellsystemen (d.h. in komple­ xen Organismen wie Säugetie­ ren oder Menschen), sowie anhand methodisch sauberen Humanstudien fehlten, ist wei­ testgehend zutreffend. Dies dürfte einer der Gründe sein, warum Kritiker die bestehenden empirischen Befunde überwie­ gend als Placeboeffekte abtun. Ein anderer Grund ist natürlich, dass die Akzeptanz gegenüber neuen Paradigmen in der Wis­ senschaft eher gering ist.

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Ich möchte das Argument des Placeboeffekts aufgreifen, denn es ist ein wichtiges. Eines vorweg: Placeboeffekte sollten nicht nur bei der Evaluierung bislang noch nicht verstandener Therapieformen in Betrachtung gezogen werden. Sie spielen ganz allgemein eine Rolle, wann immer so genannte unspezifi­sche Effekte am Werk sind. Die Liste der Krankheiten und Stö­rungen, wo dies der Fall ist, ist lang. Prominente Beispiele sind Schmerz, Atemwegserkrankun­ gen, Depression, sexuelle Dys­funktionen, Parkinson’sche Krankheit, kardiovaskuläre Er­ krankungen, affektive Störun­ gen oder gastrointestinale Beschwerden, um nur einige zu nennen. Erwartungen, Konditionierungen, Bedürftigkeit und Glauben sind Faktoren, die zu­ sätzlich zu so genannten spezifi­schen Effekten (d.h. solche, die z.B. auf ein pharmakologisches Agens zurückgehen) wirken und bisweilen sogar in größerem Maße zu Verbesserungsraten beitragen können. Dies zeigt, dass das Gewahrsein und die Bedeutung einer Intervention wichtige psychologische Fakto­ren seitens der Behandelten sind, denn sie lösen einen Effekt andere Interventionen, biologi­sche Rhythmen, Messeffekte oder Regressionseffekte; Diese Effekte müssen bei jeder Behandlung berücksichtigt werden, was verdeutlicht, dass bei der Evaluierung therapeutischer Ef­fekte sogenannte natürliche Verkaufskontrollen sehr wichtig sind (allerdings wird in klini­schen Prüfungen so gut wie nie gegen eine natürliche Kontrolle getestet). Wenn nun der Ruf nach Wirksamkeitsprüfungen gerade bei unorthodoxen The­ rapieformen wie der Informati­onsmedizin laut wird, müssen ganz unterschiedliche Wirkfak­toren berücksichtigt werden, um zu einem aussagekräftigen Ver­dikt zu kommen.

Ein fundamentales Grund­ satzproblem: Das schmut­zige kleine Geheimnis der Beweisführung

Wie bereits angedeutet, genügt es bei der Behauptung, Infor­mationsmedizin wirke, nicht, ausschließlich Erfahrungsbe­richte als Beweis zu zitieren. Sogenannte anekdotische Evi­denz ist zwar wichtig, aber sie unterliegt zahlreichen Verzer­rungs­ und Störfaktoren. Sie haben als wissenschaftlicher Beweis die geringste Validität und erlauben keine Generalisie­ rung. Innerhalb des wissen­ schaftlichen Kontexts sucht man nach allgemeingültigen Gesetz­mäßigkeiten, zumindest dann, wenn es um Interventionen und Therapien geht, von denen möglichst viele Menschen profi­tieren sollen. Der zu erbringen­de Wirksamkeitsnachweis, anhand dessen man einen klinischen Nutzen einschätzt, muss anders aussehen.

Weiter geht’s in der aktuellen Ausgabe 28  September/Oktober 2015 .

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Author: Gastautoren

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1 Kommentar

  1. Sehr informativer Artikel, danke dafür! Im Studium habe ich das tatsächlich noch falsch gelernt. aber es ist schön zu sehen, dass in diesert Zeit vieles aufbricht und sich als Täuschung entpuppt.

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